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Pressespiegel: Suitbertus-Gymnasium in Düsseldorf : Gymnasiastin Lisa lernt „die Sprache Europas“

Aus der RP Online:

Die 16-jährige Lisa Zhu aus Düsseldorf ist Expertin für alte Sprachen. Mit ihrer Latein-Leidenschaft hat sie sich schon jetzt eine finanzielle Unterstützung für ihr Studium gesichert.

Totgesagte leben länger, sagt man. Ein Sprichwort, das sich nicht nur auf den Menschen übertragen lässt. Denn auch wenn die lateinischen Muttersprachler seit Jahrhunderten ausgestorben sind – ihre Sprache lebt an vielen Schulen weiter –  auch wenn die Nachfrage seit einigen Jahren zurückgeht. Immer mehr Schüler weichen auf „lebendige“ Sprachen wie Spanisch, Französisch oder Italienisch aus. Latein sei „wirklich tot“, lautet der Konsens unter den Schülern.

Zum Artikel:

https://rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/suitbertus-gymnasium-in-duesseldorf-16-jaehrige-gewinnt-studienpreis-mit-latein_aid-35669347

 

Neue Stundentafel G9: Eingabe an das Schulministerium

+++ UPDATE: +++

Folgende Information hat uns aus dem Staatssekretariat erreicht:

"Der veröffentlichte Entwurf einer neuen G9-Stundentafel G9 dient – wie schon die „Schulfachlichen Eckpunkte für Gymnasien mit neunjährigem Bildungsgang“ – der Vorabinformation der Schulen über die Vorstellungen des Ministeriums für Schule und Bildung in diesem Bereich. Die Stundentafel wird Gegenstand der Beteiligung der schulischen Verbände zum Entwurf einer Änderungsverordnung der Ausbildungs- und Prüfungsordnung Sekundarstufe I (APO-S I) sein. Das Landeskabinett hat den Entwurf für eine geänderte Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die Sekundarstufe I (APO-S I) behandelt. Der Entwurf geht nun in die Verbändebeteiligung, in der noch Änderungswünsche der Verbände berücksichtigt werden können. Im Rahmen der Verbändebeteiligung besteht für Sie bzw. den von Ihnen vertretenen Verband die Möglichkeit, sich zu dem Entwurf zu äußern. Im Respekt vor diesem Verfahren bitte ich um Verständnis dafür, dass ich im Vorgriff hierauf keine inhaltliche Einzelkommunikation mit Ihnen vornehmen kann.

Ich hoffe, diese Informationen helfen Ihnen weiter. Weiterführende Informationen finden Sie auf den Seiten des Bildungsportals unter den folgenden Links:

Der DAV NRW rät in der Zwischenzeit allen Kolleginnen und Kollegen, die bei uns wegen Latein 5 anfragen, dass sie sich auf gar keinen Fall von Latein trennen dürfen. Sie sollen auch mit 3 U-Stunden vorläufig fortfahren und hoffen, dass es eine nachträgliche Verbesserung gibt.


Auf die besorgten Nachfragen vieler Kollegen und Kolleginnen von 50 Schulen unseres Landes mit humanistischem Profil hat der DAV eine Eingabe an den Staatssekretär des Schulministeriums, Herrn M. Richter, formuliert und dabei deutlich die Sorge zum Ausdruck gebracht, dass die neue Stundentafel von G9 erhebliche Stundenkürzungen im Lateinunterricht ab Klasse 5, also finstere Wirkungen auf einen fundierten früh einsetzenden Lateinunterricht, mithin eine Gefahr für die Existenz von Gymnasien mit humanistischem Profil bedeuten würde. Äußerungen, mehr Stunden seien möglich, warten auf die Bestätigung und den Hinweis auf die konkrete Umsetzung. Wir sind gespannt.

Lesen Sie hier den vollständigen Text des Schreibens, das der DAV Nordrhein-Westfalen nicht nur an den Staatssekretär, Herrn Richter, sondern auch an die schulpolitischen Sprecherinnen der CDU - (Frau Vogt) und der FDP (Frau Müller -  Rech) und den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU, Herrn Dr. Optendrenk gesendet hat:


Herrn Staatssekretär
Mathias Richter
Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen,
40190 Düsseldorf

 

Betr.: Stundentafel für das neunjährige Gymnasium - Schulen mit Lateinunterricht in Klasse 5
Essen, d. 17. November 2018

Sehr geehrter Herr Staatssekretär!

Den Deutschen Altphilologenverband erreichen derzeit immer mehr Klagen von Kollegen, die an den noch 49 Gymnasien in Nordrhein-Westfalen unterrichten, in denen in Klasse 5 Lateinunterricht angeboten wird. (Außerdem wird an der Laborschule Bielefeld Lateinunterricht in Klasse 5 angeboten.) Ursache ist der Entwurf der Stundentafel für G9, der zu Anfang September den Schulen zugeleitet wurde. In der Stundentafel sind für den Fremdsprachenunterricht (im folgenden FU genannt) für die Klassen 5 und 6 nicht mehr als 9 Stunden angesetzt. Im alten G9-System standen den Gymnasien mit Lateinbeginn 14 (= 2x7) Stunden zur Verfügung, und sie konnten selbst entscheiden, ob sie Latein mit 5 und Englisch mit 2 Stunden anboten oder ein 4:3-Modell wählen wollten. In dieser Zeit gab es damit keinerlei Schwierigkeiten.

Die neue Stundentafel zwingt die Gymnasien aber nun dazu, Lateinunterricht auf einen Umfang von 3 oder sogar 2 Stunden pro Schuljahr zu kürzen, wenn sie sich nicht im Bereich der Ergänzungsstunden erhebliche Einschränkungen auferlegen wollen. Dazu sind heutige Schulleiter, sicher aus guten Gründen, nicht mehr bereit. Die Lateinfachschaften können ebenfalls aus guten Gründen einen derart radikal verkürzten Unterricht kaum noch befürworten. Es ist abzusehen, dass die Anzahl der Latein-5-Gymnasien, die die G8-Jahre und die Ära Löhrmann noch überstanden haben, jetzt dramatisch vermindert wird, wenn nicht schnell gehandelt wird.

Das wäre ein besonders schmerzhafter Verlust im Bereich der Schullandschaft in NRW. Die meisten dieser Gymnasien sind traditionsreiche altsprachliche Gymnasien, deren Geschichte zum Teil bis in die Zeit der Reformation zurückreicht. Aus ihnen sind zu allen Zeiten bedeutende Persönlichkeiten der Wissenschaft, der Staatsverwaltung, auch große Techniker und Ingenieure hervorgegangen. Der Lateinunterricht ab Klasse 5 ist für diese Schulen ein Kernelement ihres besonderen Profils. Abgesehen davon setzt die Politik der Landesregierung auf die Vielfalt der Angebote. Eine „Einfalt“ im Bereich des FU, wie sie jetzt zu erwarten ist, stünde im krassen Gegensatz dazu.

Mein Kollege Dr. Norbert Gertz, ehemaliger Lehrer am Ratsgymnasium Bielefeld, hat Sie, sehr geehrter Herr Staatssekretär, auf das Problem bereits persönlich angesprochen und teilte mir mit, dass Sie eine große Bereitschaft gezeigt haben, sich um die Frage zu kümmern. Auf das Erscheinen der überarbeiteten Stundentafel und der neuen Lehrpläne können die Schulleitungen nicht warten. Sie müssen jetzt, in diesen Tagen, entscheiden, welche Angebote ihre Schulen unter G9-Bedingungen machen wollen, weil auch die Tage der Offenen Tür anstehen.

Daher bittet Sie der Deutsche Altphilologenverband: Handeln Sie bitte sofort! Bitte bestärken Sie die Leitungen der betroffenen Schulen darin, den Lateinunterricht in Klasse 5 fortzusetzen, und kündigen Sie im Bereich des FU eine Änderung der Stundentafel an, die den Schulen ermöglicht, ein ausreichendes Stundenangebot für Latein zu machen, ohne auf Ergänzungsstunden zurückgreifen zu müssen.

 

Ianualia 2019

ianualia-2019

Das Institut für Altertumskunde der Universität zu Köln veranstaltet am Freitag, den 11. Januar 2019 die Ianualia 2019.

Das Programm findet sich hier zum Download.

Die Kosten des Mittagsimbisses betragen 12 € und sind vor Ort zu entrichten. Für die Planung des Buffets wird um vorherige Anmeldung aller an diesem Mittagsimbiß Interessierten bis spätestens Mittwoch, den 5. Dezember 2018 (unter Angabe Ihres Namens an die Mailadresse Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ) gebeten.

 

Römersonntag in Dortmund

roemersonntag-nrw

Weitere Infos:

http://www.vfau-tremoniensis.de

 

Didaktik-Workshop: Neulatein im Unterricht am Beispiel von Ubertino Carraras Columbus (1725)

neulatein-ws-2018Das Lateinische hat als Basissprache Europas die europäische Kulturgeschichte gerade in Mittelalter und Früher Neuzeit entscheidend geprägt. Die reiche lateinische Literatur dieser Epochen liefert einen wichtigen Schlüssel zum Verständnis europäischer Geschichte und Kultur und ist daher in besonderer Weise geeignet, im Unterricht die Fähigkeit der historischen Kommunikation zu vermitteln. Obschon in den Lehrplänen regelmäßig erwähnt, spielen mittel- und neulateinische Texte im Unterricht nur eine marginale Rolle.

Im Didaktik-Workshop soll anhand des Columbus-Epos des Jesuiten Ubertino Carrara (1642-1716), in dem in enger sprachlicher und formaler Anlehnung an Vergil die ‚Entdeckung‛ Amerikas episch ausgestaltet wird, exemplarisch ein neulateinischer Text didaktisch für den Unterricht erschlossen werden. Dabei sollen auch allgemeine Fragen zur Verwendung mittel- und neulateinischer Texte im Lateinunterricht diskutiert werden.

Die Veranstaltung richtet sich an Lehramtsstudierende sowie Lehrerinnen und Lehrer. Am Vorabend, den 19.6.2018 hält Dr. Christian Peters an der Universität Bonn zudem einen öffentlichen Vortrag zum neulateinischen Epos, der den Workshop inhaltlich vorbereitet.

Leitung: Dr. Christian Peters
Zeit: Mittwoch, 20.6.2018
16.15 – 17.45 Uhr

Ort: Walter-Kranz-Raum (3.099)
Universität Bonn
Am Hof 1e, 53113 Bonn

Fragen sowie Anmeldung – bis 4.6.2018– per Mail an Alexander Winkler
( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. )

» Informationen zum Download (PDF)

uni-bonn-classics-logo

 

Pressespiegel: Niemand will mehr Latein lernen. Oder?

latein-sz-2018

Ist die Liebe zu den Alten Sprachen abgekühlt? Aktuelle Statistiken scheinen das nahezulegen.

Diese Interpretation wird allerdings von Dr. Benedikt Simons, stellvwrtretender Landesvorsitzender des DAV Nordrhein-Westfalen, im Gespräch mit der "SZ" geradegerückt - der Latein- und Griechischlehrer warnt davor, in Alarmismus zu verfallen. Lesen Sie den vollständigen Artikel hier: 

http://www.sueddeutsche.de/bildung/schulbildung-niemand-will-mehr-latein-lernen-oder-1.3954048

 

Zum Beitrag „Lateinlehrer kämpfen für die Existenz ihres Fachs“, RP 7. 4. 2018

Der Beitrag aus der "Rheinischen Post" (zum Online-Artikel: http://www.rp-online.de/politik/lateinlehrer-kaempfen-fuer-die-existenz-ihres-fachs-aid-1.7499550) vom 7. 4. ist ein brillantes Beispiel für die hartnäckige Beständigkeit von Klischees, von denen in diesem Rahmen nur zwei betrachtet werden können:

Klischee 1) – Die schlechten Zahlen und der Kampf um die Existenz: Im Vergleich zu 2006/ 7, dem Höhepunkt der „Lateinhype“ in Deutschland, sind die Zahlen gefallen. Erklärungen dafür gibt es viele (Rückgang der Schülerzahlen insgesamt, G8 u. v. m.). Im Vergleich zu 2000 liegen die Zahlen nach wie vor um ca. 10% höher. Im Vergleich zu den letzten Jahren sind sie recht konstant, bei den Griechischschülerinnen und –schülern gibt es einen leichten Anstieg. Im Vergleich zu 1902 oder 1955 sind die Zahlen natürlich der „Untergang des Abendlandes“. Das ist eben das Problem mit relativen Zahlenangaben. Auf dem Bundeskongress des Deutschen Altphilologenverbandes jedenfalls hatte man nicht den folgenden Eindruck –und auch das Interview des Deutschlandfunks mit H. Loos, auf das im Beitrag zurückgegriffen wurde, ließ diesen Eindruck nicht erkennen: Die Lehrer und Lehrerinnen der Alten Sprachen mühten sich wie in Existenzangst mümmelnde Hasen bei der verwertungsorientierten Treibjagd aktueller „Bildungspolitik“ damit ab, die Attraktivität ihrer Fächer für größeren Teilnehmergewinn aufzupeppen. Unsere Arbeit betraf substanzielles, nämlich wie ertragreicher und sinnstiftender, mithin guter Unterricht mit unterschiedlichen Methoden, Medien und Themen gestaltet werden kann.

Klischee 2) – Wer Latein kann, kann gut andere (romanische) Sprachen und deutsche Fremdworte (u. a. der Naturwissenschaften): Das Ziel des altsprachlichen Unterrichts ist nicht, Krückstock zum Erwerb anderer Sprachen oder zur Ableitung von Fremdworten zu sein. Diese Fähigkeiten sind eine Folge altsprachlichen Unterrichts, aber nicht ihr Ziel. Es gibt drei Ziele: Erstens denken Schülerinnen und Schüler darüber nach, wie eine Sprache als System aufgebaut ist, welche sprachlichen Gemeinsamkeiten es gibt, wie man sie systematisch erfassen kann. Zweitens denken Schülerinnen und Schüler darüber nach, was Sprache überhaupt ist, wie sie funktioniert, welche Aufgaben bestimmte Worte aus welchen Gründen innerhalb eines Satzes und/ oder Textes haben. Um es zu veranschaulichen: 70% der Schülerinnen und Schüler einer Schule in Berlin – Neukölln (90% haben einen Migrationshintergrund) wählen Latein, um eine sprachliche Brücke zu schlagen zwischen den 14 Muttersprachen und der deutschen Umgangssprache im Unterricht. Drittens kommunizieren wir mit den Autoren, die grundlegende Fragen für die Entwicklung eines jungen Menschen als erste gestellt und tiefgreifend beantwortet haben. Ob es die Frage nach den Grundlagen gegenseitigen Respekts oder eines angemessenen politischen Miteinanders geht. Die Reihe ließe sich endlos fortsetzen. Dies sind natürlich nicht materiell verwertbare Ziele auf dem Weg zum Vorstandsvorsitz, aber wenn man „Bildung“ anders versteht, dann können sie für die Bildung junger Menschen sehr förderlich sein.

Man hätte diese Punkte besprechen können. Allerdings hat die RP, obwohl sie selbst anfragte, auf meine zweimalige Antwort mit Stillschweigen reagiert. Mal schauen, ob sie diesen Beitrag aufnimmt.

Dr. B. Simons
Bilkrather Weg 30
40489 Düsseldorf

Vorstand des Deutschen Altphilologenverbandes
 

Zu „Mit dem Latein am Ende“, Tagesanzeiger vom 4. 3. 2018

Im Schweizer "Tagesanzeiger" vom 4.3. 2018 plädiert der Autor Philippe Zweifel für eine Abschaffung der Lateinpflicht an Gymnasien:

https://www.tagesanzeiger.ch/kultur/standard/Mit-dem-Latein-am-Ende/story/30564725

Ph. Zweifler beschließt seine Polemik gegen den Lateinunterricht mit der perfiden Behauptung: „Non scholae, sed vitae discimus, heisst es. Wer das nicht verstanden hat – und das dürften die meisten sein – muss sich nicht ungebildet vorkommen. Man kann es ganz einfach auch auf Deutsch sagen: Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.“ Perfide ist die Behauptung deshalb, weil derjenige, der sich nun gegen sie zur Wehr setzen würde, in der Schmuddelecke des arroganten „Bildungsbürgers“ landet, der andere als „ungebildet“ herabstufe. Was „Bildung“ ist, definiert der Beitrag auch nicht, geht aber ungesagt davon aus, dass „Bildung“ in der Schule und Universität „Ausbildung“ meint, als Vorbereitung für die praktische Arbeitswelt im (Berufs)Leben. Und so ist auch der Schlusssatz des Beitrags zu verstehen: „Nicht für die Schul(zeit) lernen wir, sondern für das Leben (danach, eben das Berufsleben)“.

Betrachtet man sich die Formulierung in der Originalsprache, fällt auf sprachlicher Ebene auf, dass die beiden Begriffe, die durch „non“ und „sed“ in den Gegensatz gebracht werden, mit der gleichklingenden Endung miteinander verbunden werden (scholae – vitae). In der Gruppe, zu denen diese beiden Worte gehören, signalisiert diese Endung dem Originalsprachler, dass es sich um einen Dativ handelt, der hier den Nutzen zum Ausdruck bringen soll.

Auf der Bedeutungsebene wird der Originalsprachler herausbekommen, dass schola ein Fremdwort aus dem Griechischen ist. Im Griechischen bezeichnet das Ursprungswort die Zeit, die frei von Arbeit für den Lebensunterhalt ist. Das bedeutet, dass der Originalsprachler mit dem Begriff schola eben diese Bedeutung des griechischen Ursprungsbegriffs assoziiert: Schule als Zeit, sich mit Dingen auseinanderzusetzen, die nicht mit dem Lebensunterhalt zu tun haben. Insofern dürfte der Originalspracher als Gegenbegriff zu schola einen Begriff benutzen, der der deutschen Formulierung „Leben (nach der Schulzeit = Berufsleben)“ entspricht. Genau das geschieht aber nicht: Vita bedeutet nämlich nicht praktisches Berufs-/ Arbeitsleben, Zeit für den Lebensunterhalt. Grundsätzlich ist erst einmal damit das gesamte Leben gemeint. Was soll das aber bedeuten? Der Originalsprachler bezieht zur Klärung diesen Satz nicht losgelöst und isoliert, sondern aus dem Zusammenhang, aus dem literarischen (Kunst)Brief, den Seneca vor ca. 2000 Jahren an einen Freund geschrieben hat, er bezieht die literarische Ebene mit ein (ep. moral. 106, 12).

Hier fällt im Vergleich zum Zitat des Beitrags auf, dass Seneca seinen Brief so beschließt: „Non vitae, sed scholae discimus.“ Senecas Umgang mit der Bedeutung der beiden sprachlich korrespondierenden, gegensätzlichen Begriffen bleibt jedoch derselbe: Liest man den gesamten Brief zuvor, wird deutlich, dass Seneca unter vita die moralisch bewusste Lebensführung versteht, zu der auch literarische, sprachliche und geistig theoretische Auseinandersetzung gehört, jedenfalls nicht praxisorientierte. Es geht also nicht um praxisferne, theorielastige Schulzeit einerseits und praktisches Berufsleben danach andererseits, sondern darum, dass wir uns stets um eine bewusste und moralisch integre Lebensführung kümmern sollen. Eine Frage also, die für die Persönlichkeitsbildung wohl grundlegend ist, ist hier gestellt und nach den ethischen Normen der Stoa beantwortet worden. Welche diese sind, führt in diesem Rahmen viel zu weit, aber es böte sich jetzt die Möglichkeit mit eben dieser Form der Lebensführung für sich und die eigene Haltung auseinanderzusetzen. Zu diesem Punkt gelangt man jedoch, wie sich zeigen ließ, nur über die tiefgründige und sorgfältige Auseinandersetzung mit der Originalsprache.

Auf sprachlicher (grammatischer), literarisch inhaltlicher und geistig intellektueller Ebene so den Horizont und das (Selbst)Bewusstsein junger Menschen zu erweitern und zu vertiefen, ist ein spezifisches Angebot des altsprachlichen Unterrichts. Das muss nicht für jeden etwas sein, aber wollen Sie jungen Menschen dieses Angebot verweigern?

Dr. Benedikt Simons

 


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