Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Nachdem im Dezember 2020 auf die jährliche Griechischlehrertagung verzichtet werden musste, gibt es nun einen neuen Anlauf vom 8. - 10.12.2021. Wir tagen nicht wie früher im Kardinal - Hengsbach - Haus und auch nicht wie geplant im Tagungshaus Maria in der Aue, sondern jetzt im Kardinal-Schulte-Haus in Bergisch Gladbach-Bensberg. Leider mussten sowohl das Kardinal-Hengsbach-Haus als auch Maria in der Aue früher den Betrieb einstellen als gedacht.

Das Programm ist jedoch jede Anreise wert: Von Geschichtsschreibung über Kunstgeschichte bis zur Fachdidaktik sind wichtige Bereiche des Faches Griechisch mit hochgeschätzten Forscherinnen und Forschern vertreten. Außerdem konnte Bodo Wartke dafür gewinnen werden, sich mit seinem Regisseur über Zoom zuzuschalten und über seine Sophokles-Adaptionen zu sprechen. Am Ende steht der Austausch mit der Fachaufsicht zu Fragen des Fachs und zum Abitur. Genauere Informationen sind im anhängenden Programm zu finden.

Die Anmeldung ist ab sofort möglich über folgenden Link: https://www.ifl-fortbildung.de/index.php?id=23994&kathaupt=1&katid=5&katvaterid=2&katname=Fremdsprachen" contenteditable="false">Lehrerfortbildung: Veranstaltungen (ifl-fortbildung.de)

Die Organisatoren (Dr. Susanne Aretz, Dr. Otmar Kampert, Dr. Joachim Penzel, Christiane Schulz) freuen sich auf ein Wiedersehen mit euch und Ihnen und auf eine anregende und ertragreiche Tagung!

» Programm zum Download

Am Samstagvormittag des 28.08.2021 versammelten sich insgesamt ca. 80 hochmotivierte Teilnehmerinnen – darunter Lehrkräfte der Alten Sprachen an weiterführenden Schulen wie Lehrende an Universitäten gleichermaßen – zu einer digitalen Fortbildung des DAV NRW zu dem wichtigen Thema „Texterschließung bei der Einstiegslektüre“.

Die Teilnehmenden wurden von Dr. Susanne Aretz, der DAV-Landesvorsitzenden, begrüßt und von Dr. Thomas Doepner, der die Veranstaltung souverän moderierte, auf die Thematik des Fortbildungshalbtags eingestimmt, der sowohl eine methodische als auch inhaltliche Schlüsselfunktion für den altsprachlichen Unterricht zukommt.

Zunächst führte Frau Prof.'in Dr. Edith Schirok in einem sehr fundierten „Terminologiekurs“ in die wissenschaftlichen Grundlagen Textlinguistik ein, da dieser eine Relevanz für die alten Sprachen und den altsprachlichen Unterricht zukommt. Ein besonderes Augenmerk des Vortrags lag dabei auf der Textgrammatik und -kohärenz. Unterrichtliche Gelegenheiten zur Begegnung mit der Textlinguistik veranschaulichte die Vortragende anhand eines Auszugs aus Senecas 16. Brief.

Der anschließende Vortrag der Fachdidaktikerin Marina Keip konkretisierte die von Frau Prof.'in Dr. Schirok skizzierten Erkenntnisse für die Praxis des altsprachlichen Unterrichts: Ausgehend von der Zielperspektive, dass letztlich die Interpretation des jeweiligen Originaltextes Maßstab unterrichtlichen Handelns ist, wurde dazu  der Bogen von einer vorausschauenden Unterrichtsplanung und -vorbereitung über die Aufgabenkonstruktion geschlagen. Dazu bediente sich die Vortragende zahlreicher veranschaulichender Text- und Aufgabenbeispiele aus ihren einschlägigen Publikationen.

In einer einstündigen Breakout-Session erarbeiteten Kleingruppen von Fachkolleginnen und -kollegen dann Texterschließungsaufgaben mit Musterlösungen zu einem von drei im Vorfeld präparierten Originaltexten (Caesar, Petron, Phaedrus). Organisatorisch betreut wurden die Teilnehmenden dabei von einem hervorragend vorbereiteten Team von Moderatorinnen und Moderatoren, die die Arbeitsergebnisse bündelten und in einer abschließenden Plenumsphase vorstellten. Beeindruckend war im Ergebnis das Zusammenspiel einer Vielfalt von Aufgabenangeboten, die zugleich in Hinblick auf den Lernertrag der Fortbildungsveranstaltung allesamt vergleichbar waren.

Die Anbahnung eines Perspektivwechsels von der Übersetzung zur Erschließung lateinischer Originaltexte wird wohl ein nachhaltiger Eindruck der Veranstaltung bleiben.

Ein besonderer Dank gilt schließlich den organisatorisch-technischen custodes der Fortbildungsveranstaltung Oliver Klewer und Dr. Matthias Laarmann, die im Hintergrund für einen bestmöglichen Ablauf sorgten. Angesichts der großen Nachfrage – nur etwa ein Drittel der Interessierten konnte für die Veranstaltung zugelassen werden – sind eine Wiederholung der Fortbildung sowie eine Folgeveranstaltung geplant, die der ausführlichen Nachbesprechung sowie dem Austausch über die unterrichtlichen Erfahrungen im Nachgang der Fortbildung dienen soll. Die nächste Veranstaltung des DAV NRW wird die Landestagung in Dortmund vom 28. bis 29. Oktober 2021 sein.


Am Samstag, dem 20. Februar 2021, führte unser Landesverband des Deutschen Altphilologenverbandes zusammen mit dem Verlag Klett eine digitale Fortbildungsveranstaltung zum Thema „Texterschließung bei der Einstiegslektüre“ durch. Das Interesse an dieser Veranstaltung war sehr groß, vielleicht auch weil der neue NRW-Kernlehrplan Latein für die Sekundarstufe I in Klassenarbeiten neben der Übersetzung und Interpretation Texterschließungsaufgaben verpflichtend vorschreibt. Nach der Begrüßung durch den Verlag Klett und den DAV-NRW hielten Ruth Schaefer-Franke und Asmus Kurig, zwei Fachleiter für Latein aus Berlin, einen gemeinsamen Vortrag zum „textsemantischen Ansatz“.

Sie referierten die lange Tradition der Texterschließung in unseren Fächern, die in einem Aufsatz von Werner Meincke, Handreichungen zu Satz- und Texterschließung  AU 4+5/1993, 69-84, sehr gut zusammengefasst werden, um dann auf Ergebnisse der Leseforschung zu sprechen zu kommen: Während bei deutschen und englischen Texten die Lesegeschwindigkeit zunimmt, weil das Gehirn „parafoveal“ Wahrgenommenes ergänzen kann, ist sie bei lateinischen Texten reduzierter, weil die Worte nicht so schnell ergänzt und in der Bedeutung aufeinander bezogen werden können.

Wie kann man die Lesegeschwindigkeit und damit das Textverständnis erhöhen? Durch Texterschließung: Ein erster Schritt entlastet den Text durch Aufbau einer Erwartungshaltung, Einführung in kulturelle Schemata, Vokabeln und Grammatik. Dann versucht ein zweiter Schritt, den Text durch sinnbetontes Vorlesen und Erschließungsaufgaben zu Semantik und Struktur zu erschließen. Im letzten Schritt paraphrasiert man vor der Übersetzung kleinere Abschnitte. Dies wurde vorgeführt an einem Text von Ogier Ghislain de Busbecq über die Kopfbedeckung der im 16. Jh. in der Türkei lebenden Frauen. Die Erwartung wurde durch die Bilder und Beschreibung von verschiedenen Kopftüchern geweckt, die Erschließung, um welche Bedeckung es im lateinischen Text geht, sollten die Schüler*innen durch Beobachtung der Angaben leisten. Hiernach sollten sie ihre Beobachtung der beteiligten Personen und des Wortes „sehen“ für den Textsinn fruchtbar machen und bestimmte Aussagen zum Text verifizieren oder falsifizieren.

Anschließend beantworteten die Referent*innen die Fragen der Teilnehmenden. Nach einer kurzen Pause sollte es dann in die 20 Workshops gehen, in denen die Teilnehmenden selbst Texterschließungsfragen zu einem weiteren Busbecq-Text stellen sollten. Bis hierhin verlief – bis auf eine leichte Zeitverzögerung – die Fortbildung gut, indem sie die bisherigen Texterschließungsverfahren neu theoretisch begründete und auch ein praktisches Beispiel lieferte, auch wenn man sich sicherlich darüber streiten kann, ob die Begründung in allen Punkten wissenschaftlich stichhaltig und zwingend ist bzw. ob man wirklich Busbecq-Texte mit Schüler*innen lesen möchte.

Eine Kommunikation während der Arbeitsphase und ein Austausch über die Gruppenarbeitsergebnisse wurde leider durch das vom Verlag Klett eingesetzte Videokonferenz-Tool verhindert. Als die Workshops beendet wurden, musste die gesamte Videokonferenz neu aufgesetzt werden. Ergebnisse konnten nur mit Einschränkung referiert und nicht aufeinander bezogen werden.

Die anschließende Chatrunde zeigte aber noch einmal ein enormes Interesse der Teilnehmenden am vorgestellten Thema. Für den DAV-NRW ergeben sich folgende Konsequenzen aus der Evaluation dieser Fortbildung: Das Interesse am Thema scheint sehr groß, ist aber noch nicht inhaltlich und praktisch genügend befriedigt. Wenn wir noch einmal eine digitale Fortbildung anbieten, muss die Technik dem Ansturm der Interessent*innen gewachsen sein; auch der Praxisanteil sollte höher ausfallen.

Dr. Susanne Aretz für den DAV-NRW


Die Diskussion fand am Mittwoch, dem 09.12.20., von 14.30-16.00 Uhr, per Zoomkonferenz im Rahmen der vom Team der Griechischlehrerfortbildung organisierten jährlichen Griechischlehrerfortbildung statt. Sie richtete sich aber an alle Lehrer*innen der Alten Sprachen, die sich teilweise auch mit ihren Schüler*innen dazugeschaltet hatten.

Grundsätzlich ging es um die Frage, was man lernen soll und warum die Alten Sprachen im Bildungkanon eine Rolle spielen. Dazu hatte der Moderator Dr. Norbert Gertz Teilnehmende mit Rang und Namen aus Wirtschaft und Gesellschaft eingeladen. Mit dabei waren:

Prof Dr. Dr. Nils Ole Oermann, D. Phil. (Oxon.), Wirtschaftsethiker, Leuphana Universität Lüneburg/Oxford University, u.a. als Berater von Wolfgang Schäuble und im DAX30 tätig

Dr. Klaus Reinhardt, Bielefeld, Präsident der Bundesärztekammer, Vorsitzender des Hartmann-Bundes

Prof. Dr. Manfred Gerwing, Eichstätt, Prof. für Theologie , Ehemaliger Leiter des IfL

Michalis Patentalis, Schriftsteller und Europologe, Vertreter des griechischen Generalkonsulats in Düsseldorf, Systemischer Therapeut

Link: https://drive.google.com/drive/folders/10OboXssJAWN-2Y-R8hk9Vgj4pf6HCSSX?

Es besteht ein feiner Unterschied zwischen nutzlos und ohne Nutzen.

Prof. Nils Ole Oermann 

Die Alten Sprachen sind eine Gymnastizierung des Geistes.

Dr. Klaus Reinhardt

Ich erkenne blind, wer Griechisch hatte.

Prof. Manfred Gerwing

Griechisch bedeutet „geistigen Luxus“.

Michalis Patentalis

FoBi-Gr-NRW-1

FoBi-Gr-NRW-2

12.09., 10-00 – 13.30 Uhr 

Am Samstagvormittag trafen sich fast 80 motivierte Lateinlehrer*innen am Bildschirm, um via Zoom an der Fortbildung des DAV NRW teilzunehmen. Der Schwerpunkt dieser Fortbildung lag auf der Vorstellung und Diskussion des Duisburger Modells als eines Kompromisses zwischen der tradierten Fehlerkorrektur und alternativen Bewertungsformaten. Der neue Kernlehrplan für die Sek I in NRW eröffnet den Fachschaften viele Freiheiten in der Bewertung von Klassenarbeiten, die in die Bahnen der Oberstufenvorgaben münden müssen.

Im ersten Teil der Fortbildung wurde nun das Duisburger Modell, das die innovativen Ansätze des neuen Kernlehrplans mit den bewährten Verfahren verbindet, vorgestellt, erprobt und diskutiert, während der zweite Teil in Vortrag und Diskussion die grundsätzliche Problematik der Leistungsbewertung im Lateinunterricht thematisierte.

Durch die Veranstaltung des DAV NRW führten Dr. Anja Wieber und Maximilian Nießen. Um die Technik kümmerte sich Dr. Matthias Laarmann. Nach Begrüßung, Klären des Organisatorischen und einem ersten Kennenlernen in kleineren Breakoutsessions stellten Dr. Thomas Doepner und Dr. Stephanie Kurczyk das Duisburger Modell vor, das hervorgegangen ist aus der Arbeit des Duisburger Arbeitskreises und zusammengefasst auf 10 Seiten im AU 4+5 / 2017 (S. 60-69) zu finden ist.

Nach der Erläuterung der genauen Verknüpfung von Textverständnis und gemäßigter Fehlerkorrektur ging es in die Erarbeitungsphase, in der den Teilnehmer*innen eine Klassenarbeit mit Erwartungshorizont und Schülerlösung zur Korrektur vorlag. Jeder korrigierte zunächst für sich nach dem Duisburger Modell und begab sich dann in Partnerbreakoutsessions, um die Ergebnisse miteinander zu besprechen. In der anschließenden Plenumsrunde wurde z.B. die unterschiedliche Notengebung bei Textverständnis und Fehlerkorrektur, die Schwierigkeit der Fehlerzuschreibung für den lateinischen Satz oder die grundsätzliche Problematik der Verknüpfung von Sinnverständnis und Fehlerkorrektur angesprochen. Nach einer zehnminütigen Pause traf man sich erfrischt wieder, um dem Vortrag „Impulse zu weiteren Aspekten von Leistungsbewertung – Die Bewertung der schriftlichen Übersetzungsleistung von Klassenarbeiten und Klausuren, Ist-Stand und Perspektiven“ von Dr. Matthias Korn zu folgen. Hier wurden neben einer Würdigung des Duisburger Modells zwei weitere Modelle vorgestellt, das Österreichische Modell und das Schweizer International Baccalaureate. Am Ende stand die Frage, ob man nicht langfristig zu einer objektivierbaren Messung von Sinnerfassung gelangen könnte.

Die nachfolgende Diskussionsrunde war so anregend, dass sie in den Vorschlag mündete, doch die Ideen der Lateinlehrer*innen zur Leistungsbewertung in z.B. einem padlet auf der Homepage des DAV NRW zu sammeln. Auch die Edkimobefragung ergab eine sehr hohe Zufriedenheit mit der Fortbildung und den Wunsch nach weiterer Diskussion. 

Dr. Susanne Aretz