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Aktuelles

Workshop/Vortrag: Sprachsensibler Lateinunterricht

Der "VFAU - Verein zur Förderung des altsprachlichen Unterrichts Dortmund e.V." freut sich,mit Herrn Prof. Dr. Stefan Kipf (HU Berlin) einen der renommiertesten deutschen Latein-Fachdidaktiker für einen hoch aktuellen fachdidaktischen Workshop und einen an die breitere Öffentlichkeit gerichteten Vortrag zu sprachsensiblen Lateinunterricht gewonnen zu haben.

Die Teilnahme ist kostenfrei. Zur besseren Planung des Workshops (Bereitstellung von Kopien etc.) bitten wir um eine kurze Rückmeldung per E-Mail an

Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. .

Der VFAU Dortmund bietet beide Veranstaltungen für alle Interessierten, den Workshop insbesondere für alle interessierten ReferendarInnen und Lehrkräfte im Fach Latein an und würde sich sehr freuen, wenn Sie als Vertreter der Fachaufsicht Latein per E-Mail eine Weitergabe bzw. Veröffentlichung dieser Einladung an die Schulen Ihres Regierungsbezirks ermöglichen könnten.

 » Informationen zum Download (PDF)

Datum:

Montag, 01.10.2018

Termin/
Ort:

15:00-17:00 Uhr: ZfsL Dortmund, Otto-Hahn-Str. 38, 44227 Dortmund

Workshop: Mit Heterogenität produktiv umgehen? Sprachsensibel Latein unterrichten!

Die wachsende Heterogenität der Schülerschaft stellt auch für den Lateinunterricht (LU) eine Herausforderung dar: In dem Maße, wie sich die Schülerinnen und Schüler in Richtung einer kulturell sowie sprachlich vielfältig zusammengesetzten Klientel verändern, wird sich auch das Fach Latein wandeln müssen. Sprachbildung, also die systematische Förderung von Sprachentwicklungsprozessen aller Schülerinnen und Schülern, eröffnet dem LU die große Chance, einen spezifischen, gesellschaftlich bedeutsamen Bildungsbeitrag zu leisten. Hierfür wird ein Unterrichtskonzept vorgestellt und mit zahlreichen Aufgabenbeispielen erläutert.

 

 

Termin/
Ort:

18:00-19:30 Uhr: Stadtarchiv Dortmund, Märkische Straße 14, 44135 Dortmund

Vortrag: Latein als Brücke – Neue Perspektiven für eine alte Sprache

Die Frage, welche didaktischen Potenziale der Lateinunterricht für eine sprachlich heterogene Schülerschaft (am Gymnasium und auch darüber hinaus) bieten könnte, ist auf den ersten Blick ungewöhnlich, scheint manchem sogar unpassend. Trotz aller Modernisierungsbemühungen der letzten vierzig Jahre geht dem Lateinunterricht immer noch der Ruf voraus, ein für die ‚höheren Stände‘ bestimmtes und zuvörderst ausleseorientiertes Fach zu sein. Mit seiner Schülerschaft muss sich aber auch das Fach Latein ändern und in der Lage sein, allen, ganz egal ob Erst- oder Zweitsprachlern, passgenaue Bildungsangebote zu machen. Ergebnisse des Forschungsprojekts PONS LATINUS (Latein als Brücke) an der Berliner Humboldt-Universität weisen darauf hin, dass ein auf die Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache zugeschnittener Lateinunterricht über ein bedeutendes pädagogisches Potential auch für diese Schülergruppe verfügt.

 

Didaktik-Workshop: Neulatein im Unterricht am Beispiel von Ubertino Carraras Columbus (1725)

neulatein-ws-2018Das Lateinische hat als Basissprache Europas die europäische Kulturgeschichte gerade in Mittelalter und Früher Neuzeit entscheidend geprägt. Die reiche lateinische Literatur dieser Epochen liefert einen wichtigen Schlüssel zum Verständnis europäischer Geschichte und Kultur und ist daher in besonderer Weise geeignet, im Unterricht die Fähigkeit der historischen Kommunikation zu vermitteln. Obschon in den Lehrplänen regelmäßig erwähnt, spielen mittel- und neulateinische Texte im Unterricht nur eine marginale Rolle.

Im Didaktik-Workshop soll anhand des Columbus-Epos des Jesuiten Ubertino Carrara (1642-1716), in dem in enger sprachlicher und formaler Anlehnung an Vergil die ‚Entdeckung‛ Amerikas episch ausgestaltet wird, exemplarisch ein neulateinischer Text didaktisch für den Unterricht erschlossen werden. Dabei sollen auch allgemeine Fragen zur Verwendung mittel- und neulateinischer Texte im Lateinunterricht diskutiert werden.

Die Veranstaltung richtet sich an Lehramtsstudierende sowie Lehrerinnen und Lehrer. Am Vorabend, den 19.6.2018 hält Dr. Christian Peters an der Universität Bonn zudem einen öffentlichen Vortrag zum neulateinischen Epos, der den Workshop inhaltlich vorbereitet.

Leitung: Dr. Christian Peters
Zeit: Mittwoch, 20.6.2018
16.15 – 17.45 Uhr

Ort: Walter-Kranz-Raum (3.099)
Universität Bonn
Am Hof 1e, 53113 Bonn

Fragen sowie Anmeldung – bis 4.6.2018– per Mail an Alexander Winkler
( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. )

» Informationen zum Download (PDF)

uni-bonn-classics-logo

 

Pressespiegel: Niemand will mehr Latein lernen. Oder?

latein-sz-2018

Ist die Liebe zu den Alten Sprachen abgekühlt? Aktuelle Statistiken scheinen das nahezulegen.

Diese Interpretation wird allerdings von Dr. Benedikt Simons, stellvwrtretender Landesvorsitzender des DAV Nordrhein-Westfalen, im Gespräch mit der "SZ" geradegerückt - der Latein- und Griechischlehrer warnt davor, in Alarmismus zu verfallen. Lesen Sie den vollständigen Artikel hier: 

http://www.sueddeutsche.de/bildung/schulbildung-niemand-will-mehr-latein-lernen-oder-1.3954048

 

Zum Beitrag „Lateinlehrer kämpfen für die Existenz ihres Fachs“, RP 7. 4. 2018

Der Beitrag aus der "Rheinischen Post" (zum Online-Artikel: http://www.rp-online.de/politik/lateinlehrer-kaempfen-fuer-die-existenz-ihres-fachs-aid-1.7499550) vom 7. 4. ist ein brillantes Beispiel für die hartnäckige Beständigkeit von Klischees, von denen in diesem Rahmen nur zwei betrachtet werden können:

Klischee 1) – Die schlechten Zahlen und der Kampf um die Existenz: Im Vergleich zu 2006/ 7, dem Höhepunkt der „Lateinhype“ in Deutschland, sind die Zahlen gefallen. Erklärungen dafür gibt es viele (Rückgang der Schülerzahlen insgesamt, G8 u. v. m.). Im Vergleich zu 2000 liegen die Zahlen nach wie vor um ca. 10% höher. Im Vergleich zu den letzten Jahren sind sie recht konstant, bei den Griechischschülerinnen und –schülern gibt es einen leichten Anstieg. Im Vergleich zu 1902 oder 1955 sind die Zahlen natürlich der „Untergang des Abendlandes“. Das ist eben das Problem mit relativen Zahlenangaben. Auf dem Bundeskongress des Deutschen Altphilologenverbandes jedenfalls hatte man nicht den folgenden Eindruck –und auch das Interview des Deutschlandfunks mit H. Loos, auf das im Beitrag zurückgegriffen wurde, ließ diesen Eindruck nicht erkennen: Die Lehrer und Lehrerinnen der Alten Sprachen mühten sich wie in Existenzangst mümmelnde Hasen bei der verwertungsorientierten Treibjagd aktueller „Bildungspolitik“ damit ab, die Attraktivität ihrer Fächer für größeren Teilnehmergewinn aufzupeppen. Unsere Arbeit betraf substanzielles, nämlich wie ertragreicher und sinnstiftender, mithin guter Unterricht mit unterschiedlichen Methoden, Medien und Themen gestaltet werden kann.

Klischee 2) – Wer Latein kann, kann gut andere (romanische) Sprachen und deutsche Fremdworte (u. a. der Naturwissenschaften): Das Ziel des altsprachlichen Unterrichts ist nicht, Krückstock zum Erwerb anderer Sprachen oder zur Ableitung von Fremdworten zu sein. Diese Fähigkeiten sind eine Folge altsprachlichen Unterrichts, aber nicht ihr Ziel. Es gibt drei Ziele: Erstens denken Schülerinnen und Schüler darüber nach, wie eine Sprache als System aufgebaut ist, welche sprachlichen Gemeinsamkeiten es gibt, wie man sie systematisch erfassen kann. Zweitens denken Schülerinnen und Schüler darüber nach, was Sprache überhaupt ist, wie sie funktioniert, welche Aufgaben bestimmte Worte aus welchen Gründen innerhalb eines Satzes und/ oder Textes haben. Um es zu veranschaulichen: 70% der Schülerinnen und Schüler einer Schule in Berlin – Neukölln (90% haben einen Migrationshintergrund) wählen Latein, um eine sprachliche Brücke zu schlagen zwischen den 14 Muttersprachen und der deutschen Umgangssprache im Unterricht. Drittens kommunizieren wir mit den Autoren, die grundlegende Fragen für die Entwicklung eines jungen Menschen als erste gestellt und tiefgreifend beantwortet haben. Ob es die Frage nach den Grundlagen gegenseitigen Respekts oder eines angemessenen politischen Miteinanders geht. Die Reihe ließe sich endlos fortsetzen. Dies sind natürlich nicht materiell verwertbare Ziele auf dem Weg zum Vorstandsvorsitz, aber wenn man „Bildung“ anders versteht, dann können sie für die Bildung junger Menschen sehr förderlich sein.

Man hätte diese Punkte besprechen können. Allerdings hat die RP, obwohl sie selbst anfragte, auf meine zweimalige Antwort mit Stillschweigen reagiert. Mal schauen, ob sie diesen Beitrag aufnimmt.

Dr. B. Simons
Bilkrather Weg 30
40489 Düsseldorf

Vorstand des Deutschen Altphilologenverbandes
 

Zu „Mit dem Latein am Ende“, Tagesanzeiger vom 4. 3. 2018

Im Schweizer "Tagesanzeiger" vom 4.3. 2018 plädiert der Autor Philippe Zweifel für eine Abschaffung der Lateinpflicht an Gymnasien:

https://www.tagesanzeiger.ch/kultur/standard/Mit-dem-Latein-am-Ende/story/30564725

Ph. Zweifler beschließt seine Polemik gegen den Lateinunterricht mit der perfiden Behauptung: „Non scholae, sed vitae discimus, heisst es. Wer das nicht verstanden hat – und das dürften die meisten sein – muss sich nicht ungebildet vorkommen. Man kann es ganz einfach auch auf Deutsch sagen: Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.“ Perfide ist die Behauptung deshalb, weil derjenige, der sich nun gegen sie zur Wehr setzen würde, in der Schmuddelecke des arroganten „Bildungsbürgers“ landet, der andere als „ungebildet“ herabstufe. Was „Bildung“ ist, definiert der Beitrag auch nicht, geht aber ungesagt davon aus, dass „Bildung“ in der Schule und Universität „Ausbildung“ meint, als Vorbereitung für die praktische Arbeitswelt im (Berufs)Leben. Und so ist auch der Schlusssatz des Beitrags zu verstehen: „Nicht für die Schul(zeit) lernen wir, sondern für das Leben (danach, eben das Berufsleben)“.

Betrachtet man sich die Formulierung in der Originalsprache, fällt auf sprachlicher Ebene auf, dass die beiden Begriffe, die durch „non“ und „sed“ in den Gegensatz gebracht werden, mit der gleichklingenden Endung miteinander verbunden werden (scholae – vitae). In der Gruppe, zu denen diese beiden Worte gehören, signalisiert diese Endung dem Originalsprachler, dass es sich um einen Dativ handelt, der hier den Nutzen zum Ausdruck bringen soll.

Auf der Bedeutungsebene wird der Originalsprachler herausbekommen, dass schola ein Fremdwort aus dem Griechischen ist. Im Griechischen bezeichnet das Ursprungswort die Zeit, die frei von Arbeit für den Lebensunterhalt ist. Das bedeutet, dass der Originalsprachler mit dem Begriff schola eben diese Bedeutung des griechischen Ursprungsbegriffs assoziiert: Schule als Zeit, sich mit Dingen auseinanderzusetzen, die nicht mit dem Lebensunterhalt zu tun haben. Insofern dürfte der Originalspracher als Gegenbegriff zu schola einen Begriff benutzen, der der deutschen Formulierung „Leben (nach der Schulzeit = Berufsleben)“ entspricht. Genau das geschieht aber nicht: Vita bedeutet nämlich nicht praktisches Berufs-/ Arbeitsleben, Zeit für den Lebensunterhalt. Grundsätzlich ist erst einmal damit das gesamte Leben gemeint. Was soll das aber bedeuten? Der Originalsprachler bezieht zur Klärung diesen Satz nicht losgelöst und isoliert, sondern aus dem Zusammenhang, aus dem literarischen (Kunst)Brief, den Seneca vor ca. 2000 Jahren an einen Freund geschrieben hat, er bezieht die literarische Ebene mit ein (ep. moral. 106, 12).

Hier fällt im Vergleich zum Zitat des Beitrags auf, dass Seneca seinen Brief so beschließt: „Non vitae, sed scholae discimus.“ Senecas Umgang mit der Bedeutung der beiden sprachlich korrespondierenden, gegensätzlichen Begriffen bleibt jedoch derselbe: Liest man den gesamten Brief zuvor, wird deutlich, dass Seneca unter vita die moralisch bewusste Lebensführung versteht, zu der auch literarische, sprachliche und geistig theoretische Auseinandersetzung gehört, jedenfalls nicht praxisorientierte. Es geht also nicht um praxisferne, theorielastige Schulzeit einerseits und praktisches Berufsleben danach andererseits, sondern darum, dass wir uns stets um eine bewusste und moralisch integre Lebensführung kümmern sollen. Eine Frage also, die für die Persönlichkeitsbildung wohl grundlegend ist, ist hier gestellt und nach den ethischen Normen der Stoa beantwortet worden. Welche diese sind, führt in diesem Rahmen viel zu weit, aber es böte sich jetzt die Möglichkeit mit eben dieser Form der Lebensführung für sich und die eigene Haltung auseinanderzusetzen. Zu diesem Punkt gelangt man jedoch, wie sich zeigen ließ, nur über die tiefgründige und sorgfältige Auseinandersetzung mit der Originalsprache.

Auf sprachlicher (grammatischer), literarisch inhaltlicher und geistig intellektueller Ebene so den Horizont und das (Selbst)Bewusstsein junger Menschen zu erweitern und zu vertiefen, ist ein spezifisches Angebot des altsprachlichen Unterrichts. Das muss nicht für jeden etwas sein, aber wollen Sie jungen Menschen dieses Angebot verweigern?

Dr. Benedikt Simons

 


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