Zur Landestagung des DAV NRW 2022 sind alle Mitglieder und diejenigen, die es bis dahin werden wollen, herzlich eingeladen. Mittelpunkt ist die Mitgliederversammlung am Donnerstag, 01.09.2022. Die nächste Landestagung wird 2023 wieder turnusmäßig stattfinden.

Die Vorträge des zweitägigen Rahmenprogramms stehen unter dem Motto „Lebensweltbezug in antiken Texten.“ Verschiedene Genera (Rhetorik und Briefliteratur), verschiedene Autoren (Cicero und Alltagsliteratur) und fachdidaktische Methoden in den Bereichen Erschließung, Übersetzung und Interpretation werden in den Blick genommen.  Zudem gibt es Nachrichten über das Abitur und aus der Fachaufsicht.

Referentinnen und Referenten: Dr. Jörg Fündling, (Aachen), Prof. Dr. Nicola Hömke (Rostock), Prof. Dr.  Meike Rühl (Osnabrück), Prof. Dr. Karl-Wilhelm Weeber (Bochum), Prof. Dr. Katharina Wesselmann (Kiel).

Leitung: Dr. Susanne Aretz, Dr. Matthias Laarmann, Maximilian Nießen, Dr. Thomas Doepner, Marina Keip, Dr. Anja Wieber, Jürgen Schulz-Koppe.

Donnerstag und Freitag, 01. und 02. September 2022.

Ort: Johanniter Gästehaus, Weißenburgstraße 60–64, 48151 Münster.

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Programm der Landestagung 2021 in Münster

Ort:  Johanniter Gästehaus, Weißenburgstraße 60–64, 48151 Münster

Donnerstag, 01. September 2022

Bis 10.00 Uhr

Ankommen

10.00 – 10.15 Uhr

Begrüßung zur DAV NRW Landestagung

10.15 – 11.15 Uhr

Prof. Nicola Hömke:

„Wir brauchen hier mehr Bier!“ – Römischer Alltag in Briefen vom Hadrianswall

 

Seit den 1970er Jahren werden in Vindolanda, einem römischen Militärkastell am Hadrianswall an der heutigen englisch-schottischen Grenze, immer neue Briefe buchstäblich aus dem Schlamm geborgen. Sie geben einzigartige Einblicke in den militärischen Alltag und das Privatleben römischer Soldaten (und ihrer Angehörigen) des 1. und 2. Jh. n. Chr. am Nordrand des Imperium Romanum. Sogar die Einstellung moderner Briten zu ihrer eigenen Vergangenheit haben sie deutlich beeinflusst.

Prof. Dr. Nicola Hömke hat den Lehrstuhl für Lateinische Philologie/Latinistik an der Universität Rostock inne. Nach dem Studium der Lateinischen und Griechischen Philologie an den Universitäten Heidelberg und Oxford (Somerville College) wurde sie 2001 in Heidelberg mit einer Dissertation zur antiken Schul- und Schaurhetorik („Gesetzt den Fall, ein Geist erscheint. Komposition und Motivik der ps.-quintilianischen Declamationes maiores X, XIV und XV“, publ. Heidelberg 2002) promoviert. Bis 2011 arbeitete sie als Assistentin und wiss. Mitarbeiterin am Lehrstuhl von Prof. Dr. Christiane Reitz am Rostocker Heinrich Schliemann-Institut und habilitierte sich dort 2012 mit der Arbeit „In der Todeszone. Die Darstellung und Funktion des Schrecklichen, Grausigen und Ekligen in Lucans Bellum Civile“. Danach forschte sie als Mitarbeiterin im DFG-Teilprojekt „Die Rhetorik des Monotheismus im Römischen Reich: Monotheistische Rede in Prosa und Poesie der Spätantike“ (Prof. Dr. Therese Fuhrer), übernahm z. T. mehrjährige Lehrstuhlvertretungen an der FU Berlin, der LMU München, der Universität Osnabrück sowie der Universität Potsdam und folgte 2019 dem Ruf auf die Professur in Rostock.

Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der frühkaiserzeitlichen Epik und dem Epyllion, der römischen Rhetorik, der spätantiken Dichtung sowie Konzeptionen der literarischen Phantastik und der „Ästhetik des Hässlichen“.

11.15 – 11.45 Uhr

Kaffeepause

11.45 – 12.45 Uhr

 

Stefan Antrecht: Rhetorik in lateinischen und griechischen Texten

 

Ich bin ein Berliner. Yes, we can. Wir haben so vieles geschafft, wir schaffen das.

 

Bundeskanzlerin a. D. Dr. Angela Merkel galt nicht als brilliante Rhetorikerin. Ihre Persönlichkeit, ihr Pragmatismus schienen dies nicht zuzulassen. Ihre „Glanzmomente“ hatte sie dann, wenn sie, entgegen ihrer Art, emotional wurde: „Und ich muss ganz ehrlich sagen: Wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land.“ Paradoxon, Brevitas, Emphase – Buff, das saß!

 

Im alten Rom hätte ein Politiker in ähnlicher Situation vielleicht auf den mos maiorum verwiesen. Er hätte jedoch nicht gesagt: Zu diesem Rom will ich nicht mehr gehören, nicht mehr Römer sein! Wenn es um den Staat als Ganzen ging, dann hätte ein Cato der Kanzlerin entgegengehalten: Nunc vero non id agitur, bonisne an malis moribus vivamus. Hic mihi quisquam mansuetudinem et misericordiam nominat! – „Jetzt geht es aber nicht darum, ob wir nach guten oder schlechten Sitten leben. Da rede mir jetzt einer von Freundlichkeit und Teilnahme in der Not!“

 

Geschichtlich einzuordnen, wer von den beiden Politikern der erfolgreichere war, Cato oder Merkel, ist nicht Gegenstand dieser Veranstaltung. Auch nicht, wer von beiden der moralisch bessere war. Uns geht es um die Rhetorik als Kunst der Rede: Was macht gute Rhetorik aus? Ist gute Rhetorik immer geschliffene Rhetorik? Ist sie immer erfolgreiche Rhetorik? Oder sind gerade die besten Rhetoriker oftmals die gescheiterten? Gibt es gute Rhetorik auch heute noch? Hat die Rhetorik der griechischen und römischen Antike zeitlose Maßstäbe gesetzt?

 

Als Beispiele werden Texte aus Antike und Gegenwart herangezogen, die sich für den Einsatz im Griechisch- und Lateinunterricht eignen.

 

Stefan Antrecht ist Lehrer für Latein, Griechisch und Musik am Neuen Gymnasium Bochum.

 

12.45 – 14.15 Uhr

Mittagspause

14.15 – 15.45 Uhr

Fachdidaktische Workshops

a)     Marina Keip (Texterschließung),

b)     Dr. Thomas Doepner (Literarische Interpretation von lateinischen Texten)

c)     Dr. Susanne Aretz (Übersetzungssicherung in Schülermoderation)

15.45 – 16.15 Uhr

Kaffeepause

16.15 – 18.15 Uhr

Mitgliederversammlung (s. gesonderte Einladung)

18.15 - 19.30 Uhr

Abendessen

19.30 – 20.30 Uhr

Prof. Dr. Karl-Wilhelm Weeber: Die Jugend von heute. Cicero in Pro Caelio über die Generationenkonflikte, Jugendsünden und Erziehungsmethoden

Neue Forschungen zeigen, dass die als besonders streng und durchsetzungsstark „gehandelte“ patria potestas die Alltagsrealität deutlich weniger prägte, als es der römischen Ideologie entsprach. Einen entscheidenden Beitrag zu größerer Toleranz und Nachsicht gegenüber „ungestümen“ Jugendlichen leistete dabei die Komödie. In Pro Caelio rekurriert Cicero auf unterschiedliche Erziehungsstile, die in der Palliata gegeneinander gestellt werden – und er wirbt für die liberale, verständnisvolle Position im Umgang mit Generationskonflikten. Auch wenn der opportunistische Advokat Cicero dabei deutlich zum Vorschein kommt: Eine Rede und ein Thema mit hohem Aktualitätspotenzial.

 

Jg. 1950, Studium Klass. Philologie, Geschichte, Archäologie, Etruskologie in Bochum und Rom. Promotion mit einer Arbeit über das 4. Properz-Buch, 1984–2001 Fachleiter für Latein am Studienseminar Düsseldorf, 2001-2010 Leiter des Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums in Wuppertal, 1995 Hon.-Prof. Alte Geschichte Univ. Wuppertal; seit 1975 bis heute Lehrbeauftragter für lateinische Fachdidaktik Univ. Bochum.

Publikationen der letzten Jahre: Spectaculum. Die Erfindung der Show im antiken Rom (2015); Botschaften aus dem alten Rom. Die besten Graffiti der Antike (2019); Latein – da geht noch was. Rückenwind für Caesar und Co. (2016); Neues über die alten Römer (2015); Lernen und leiden. Schule im Alten Rom (2014); Romdeutsch (5. A. 2013); Mitarbeit am Lehrwerk „Pontes“.

Freitag, der 02. September 2022

09.00 – 10.00 Uhr

Prof. Dr. Katharina Wesselmann: Inter Linguas – Zweisprachiges Arbeiten im altsprachlichen Unterricht

 

Immer wieder wird moniert, dass inhaltliche Arbeit im altsprachlichen Unterricht angesichts der Sprachhürden zu kurz komme: Man kann einfach keine größeren Textmengen bewältigen! Man kann eigentlich keinen Vergil mehr lesen, der ist zu schwer! Dabei wäre es eigentlich ganz einfach: Mittels sinnvoller Aufgabenstellungen kann an zweisprachigen Texten so gearbeitet werden, dass Schüler*innen das Original im Blick behalten, aber nicht mehr alles von Grund auf übersetzen müssen. Gezieltes Fragen nach Phänomenen von Wortschatz und Syntax ermöglicht außerdem Open-Book-Prüfungen, die nicht nur im Hinblick auf die nächste Pandemie von Nutzen sein könnten.

Studium der Klass. Philologie und der Kunstwissenschaft, Universität Basel; 2004–2018 Lehrerin für Latein und Griechisch in Basel; dort 2004–2009 Assistenz in der Griechischen Philologie, Departement für Altertumswissenschaften, und 2010 Promotion  mit einer Arbeit über „Herodotus heres historiae. Das mythische Erbe der griechischen Geschichtsschreibung“; 2012–2018 Lehrbeauftragte für Fachdidaktik Latein und Griechisch an der Pädagogischen Hochschule (Fachhochschule Nordwestschweiz) und zugleich 2009–2015 Wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Basler Homer-Kommentar; 2018 Habilitation in Klassischer Philologie an der Philosophischen Fakultät der Universität Basel mit einem „Kommentar zum 7. Gesang der homerischen Ilias“ im Rahmen des Basler Gesamtkommentars; seit 2019 Professur für Fachdidaktik der Alten Sprachen an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Aktuelle Publikationen: Die abgetrennte Zunge. Sex und Macht in der Antike neu lesen (2021); Lehrbücher: Aurea Bulla. Latein, Mehrsprachigkeit, Kulturgeschichte (2016–17); Pontes, Arbeitsheft 1–2 (2021); Mitherausgebertätigkeit: Teaching Classics in the Digital Age.

10.00 – 10.30 Uhr

Kaffeepause

10.30 – 11.30 Uhr

Neues von der Schulaufsicht

11.30 – 12.30 Uhr

 Prof. Dr. Meike Rühl: „Die Jungs vertragen sich, lernen und machen Sport.“ Bildung und Erziehung im Hause Cicero am Beispiel der Briefe

Der Vortrag will einen Überblick geben über die Ausbildung und Erziehung innerhalb der römischen Elite in der späten Republik. Ciceros überlieferte Korrespondenz, in der z. T. sehr ausführlich und aus unterschiedlichen Perspektiven über Lehrer, Schüler, Lehrpläne, Lernorte und pädagogische (Miss-)Erfolge berichtet wird, ist dafür ein geeigneter Ausgangspunkt. Neben den ‘Realien' soll vor allem auch nach den
gesellschaftlichen Erwartungen an die involvierten Personen gefragt werden und wie diese Erwartungen in den Schreiben offen oder zwischen den Zeilen kommuniziert werden.

1993 bis 2000 | Doppelstudium (Staatsexamen und Magister) der Lateinischen, Griechischen und Ostslavischen Philologie an den Universitäten Tübingen und St. Petersburg;
2000 bis 2004 | Promotionsstudium der Lateinischen Philologie an der Universität Gießen;
2000 bis 2004 | Lehrbeauftragte für Latinumskurse und Veranstaltungen am Institut für Klassische Philologie der Universität Gießen;
WiSe 2000/01 | Wiss. Angestellte am Lehrstuhl für Gräzistik (Vertretung) der Universität Gießen;
WiSe 2004/05 bis SoSe 2009 | Wiss. Assistentin am Seminar für Klassische Philologie in Göttingen;
2010 | Habilitation an der Universität Göttingen (venia legendi für Klassische Philologie);
WiSe 2009/10 bis SoSe 2019 | StR‘ i. H. an der Bergischen Universität Wuppertal, Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften: Klassische Philologie, dazwischen beurlaubt von SoSe 2012 bis SoSe 2018 zur Vertretung einer Professur für Klassische Philologie an der Universität Osnabrück;
seit WiSe 2019/20 | Maria-Goeppert-Mayer-Professur für Klassische Philologie mit Schwerpunkt Latein/Genderforschung.

12.30 – 14.00 Uhr

Mittagspause

14.00 - 15.00 Uhr

Dr. Jörg Fündling: Knigge in der Antike. Unterschätzt und facettenreich: Quellenmaterialien und neue Forschungsperspektiven zur Ära des Antoninus Pius (138–161)

Das mittlere Drittel des 2. Jahrhunderts n. Chr. findet dank der Vielfalt seines literarischen Erbes schon länger die Aufmerksamkeit der Altertumswissenschaften. Mit der politischen und Alltagsgeschichte dieser Zeit sieht es deutlich schlechter aus, da die Historiographie uns beinahe im Stich lässt und die biographische Tradition nur noch auf verdächtigen Umwegen greifbar ist. Doch zu diesem vermeintlich blassen Kaiser in vermeintlich ereignislosen Jahren gibt es an den richtigen Stellen noch Funde zu machen – nur sind diese Stellen oft etwas ungewöhnlich. Vorgestellt werden unter anderem astrologische Notizen mit politischer Bedeutung, ein Kaiserlob in antiquarischem Kontext und die unterschätzten, aber in direkter Nähe zur Dynastie entstandenen Briefe Frontos.

 

1990 bis 1996 | Magisterstudium (Alte Geschichte/ Latein/ Historische Hilfswissenschaften und Archivkunde), Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn;

1996 bis 2005 | Promotionsstudium (Alte Geschichte/ Latein/ Historische Hilfswissenschaften und Archivkunde), Universität Bonn;

1996 bis 1999 | Wissenschaftliche Hilfskraft (Bonn, Seminar für Alte Geschichte);

2000 bis 2004 | Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Bonn, Seminar für Alte Geschichte) ;

seit 2004 | Tätigkeit als freiberuflicher Lektor, Übersetzer und Autor;

2007 | Wissenschaftlicher Angestellter (Bonn, Franz Joseph Dölger-Institut);

2008 bis 2014 | Wissenschaftlicher Mitarbeiter (RWTH Aachen, Historisches Institut, Lehrstuhl für Alte Geschichte);

2016/17 und 2018/19 | Wissenschaftlicher Angestellter/ Vertretung der Juniorprofessur (RWTH Aachen, Inst. f. Kath. Theologie, Arbeitsgebiet Kirchengeschichte und europäische Identitätsbildung;

2019 bis 2022 | Professurvertreter (RWTH Aachen, Institut für Katholische Theologie, Lehr- und Forschungsgebiet Kirchengeschichte).

Wichtige Publikatione in Auswahl:

Kommentar zur Vita Hadriani der Historia Augusta (Antiquitas IV.3.4.) (2 Bde.) Bonn: Habelt 2006 = Diss. Bonn 2005; Sulla (Gestalten der Antike), Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2010; Das goldene Zeitalter. Wie Augustus Rom neu erfand, Darmstadt: Primus 2013; Philipp II. von Makedonien (Gestalten der Antike), Darmstadt: Ph. v. Zabern 2014; Marc Aurel (Gestalten der Antike), Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2008; (mit Jens Bartels und Hartmut Blum:) Die Antike. Grundzüge der griechischen und römischen Geschichte, Konstanz und München: UTB mit UVK/ Lucius 2015; Der Antike-Knigge. Angenehm auffallen im Herzen des Imperiums, Ditzingen: Reclam 2021.

15.00 – 16.00 Uhr

Planungsperspektiven künftiger DAV NRW-Verbandsarbeit