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Lateinunterricht heute – Aktuelle Aspekte

ifl-essen-logoEine Fortbildungsveranstaltung für Lateinlehrerinnen und -lehrer
des Instituts für Lehrerfortbildung, Essen

im Tagungszentrum Maria in der Aue, Wermelskirchen

Donnerstag / Freitag, 27.10.-28.10.2016


 

Leitung:

StD Dr. Matthias Laarmann, StD Dr. Dietmar Schmitz, Prof. Dr. Michael Wissemann 

Bei Rückfragen ausschließlich folgende Adresse kontaktieren:
IFL Essen-Werden, Dahler Höhe 29, 45239 Essen, 0201/9461930, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.  

Vortragsthemen:

Prof. Dr. René Pfeilschifter: Der Weg ins christliche Imperium. Die Kaiser     Theodosius und Justinian

Prof. Dr. Hans-Joachim Glücklich: Interpretierende Texterschließung bei der Lektüre von Ovids „Metamorphosen“

StD Dr. Matthias Laarmann: „Der trinkfreudige Germane“, „der stolze Spanier“, "der geistig behäbige Westfale" Entstehung und Wandlungen von Völkerstereotypen seit der Antike. Historische Propädeutik zum Dialog der Kulturen

Prof. Dr. Frank Rumscheid: Römische Skulpturen im Lateinunterricht

Prof. Dr. Christoph Schubert: Tullius totus tibi legendus est: Cicero bei den Kirchenvätern oder Die Sache mit der Religion

Dr. Bettina Tremmel: Aktuelle Grabungsergebnisse und Forschungen über die Römer an der Lippe und in Westfalen

Donnerstag, 27.10.2016
10.00 - 11.45 Prof. Dr. Rene Pfeilschifter:
Der Weg ins christliche Imperium. Die Kaiser Theodosius und Justinian
12.00 Mittagessen Bezug der Zimmer
14.00 - 15.45 Prof. Dr. Christoph Schubert:
Tullius totus tibi legendus est: Cicero bei den Kirchenvätern oder Die Sache mit der Religion
15.45 Stehkaffee
16.00 - 17.45 StD Dr. Matthias Laarmann:
„Der trinkfreudige Germane“, „der stolze Spanier“, "der geistig behäbige Westfale" Entstehung und Wandlungen von Völkerstereotypen seit der Antike. Historische Propädeutik zum Dialog der Kulturen
18.00 Abendessen
19.30 Prof. Dr. Frank Rumscheid:
Römische Skulpturen im Lateinunterricht

 

Freitag, 28.10.2016

 

9.00 – 11.00 Prof. Dr. Hans-Joachim Glücklich:
Interpretierende Texterschließung bei der Lektüre von Ovids „Metamorphosen“
11.15 - 12.45 Dr. Bettina Tremmel:
Aktuelle Grabungs-ergebnisse und Forschungen über die Römer an der Lippe und in Westfalen

 

Vorschau auf die Vorträge:

Prof. Dr. Glücklich:

Interpretierende Texterschließung bei der Lektüre von Ovids „Metamorphosen“

Lesen, Verstehen, Erschließen, Interpretieren, Übersetzen: Was ist die richtige Methode, mit lateinischen Texten umzugehen, sie sich in angemessener Zeit und mit Freude und persönlichem Gewinn zu erarbeiten? Der Vortrag versucht, dies an Texten Ovids zu zeigen, die vom Lehrplan vorgegeben sind: „Weltschöpfung“ (Met. 1,5–88), Weltzeitalter“ (1,89–150), „Narcissus“ (3,339–510) und „Pyramus und Thisbe (4,55–166). Beispiele zur Behandlung der „Amores“ können ergänzend oder im Austausch gegen eines der Metamorphosen-Beispiele hinzutreten.

 

StD Dr. Laarmann:

„Der trinkfreudige Germane“, „der stolze Spanier“, "der geistig behäbige Westfale" – Entstehung und Wandlungen von Völkerstereotypen seit der Antike. Historische Propädeutik zum Dialog der Kulturen

Das Wissen über andere Völker stützte sich in Antike und Mittelalter fast nur auf die Berichte von Drittzeugen (Handelsreisende u. dgl.) und schilderte vage und mit nicht wenig Phantasie eine ferne Welt voller biologischer, ethnologischer und anthropologischer Wunder, die z.B. wesentlich zur Ausbildung der antiken Monstertraditionen beitrugen. Die Verschriftlichung dieser ‘Informationen’ in der kaiserzeitlichen geographischen Fachliteratur führte allerdings zu einer Festschreibung dieser Inhalte und zu einer weitgehenden Immunisierung gegenüber dem später neu hinzukommenden empirischen ethnologischen Wissen. Auf dem Feld der Völkerbeschreibung entwickelt sich die Chance, bei der Wahrnehmung des Fremden dem wahrhaft Neuen und neuen Wahren zunehmend gerechter zu werden. Fremdwahrnehmung gelingt dann immer besser, wenn man sich ihrer beengenden und begünstigenden Faktoren bewusst macht. Dazu gehört vor allem der Umstand, dass viele Kategorien der Wahrnehmung von Fremdkulturen nicht apriori vorgegeben, sondern historisch geworden und dadurch immer auch bedingt sind. Ein an historischer Kommunikation orientierter Lateinunterricht kann dazu einen spezifischen Beitrag leisten. Denn das historische Exempel der Entstehung und Wandlungen von Völkerstereotypen von der Antike bis in die Frühe Neuzeit hinein kann in entscheidenden Teilen aus Texten in lateinischer Sprache erschlossen werden. Gegenstand der Präsentation und Diskussion sind Elemente einer Unterrichtsreihe, die exemplarische Texte dieser Entwicklungen in ihrem didaktischen Potential aufzeigen möchte.

 

Prof. Dr. Pfeilschifter:

Der Weg ins christliche Imperium. Die Kaiser Theodosius und Justinian

Dass das Römische Reich ein christliches sein würde, war schon entschieden, bevor der General Theodosius 379 zum Kaiser erhoben wurde. Aber wie sollte dieses Christentum aussehen? Einen Großteil ihrer Zeit verbrachten Theodosius und seine Nachfolger damit, innerchristliche Streitigkeiten über die Auslegung der Schrift und insbesondere über die Natur Christi zu moderieren, zu schlichten, zu entscheiden – doch nur selten hatten sie Erfolg dabei. Theodosius aber gelang es, das 325 in Nikaia beschlossene Glaubensbekenntnis im gesamten Reich durchzusetzen. Nach diesem war Christus Gott, gleich mit dem Vater. Diese Überzeugung ist verbindlich geblieben für fast alle heutigen christlichen Konfessionen. Doch wie verbanden sich das Menschliche und das Göttliche eigentlich genau in Jesus? Darum wurde seit dem fünften Jahrhundert gestritten. Justinian (527-565) versuchte mit sehr viel mehr Einsatz als Theodosius, die Einheit der Kirche herzustellen, und er war viel weniger erfolgreich. Am Ende seiner Regierung gab es zwar ein christliches Reich, aber schon zwei christliche Kirchen mit separaten Bischöfen und separaten Glaubensüberzeugungen. Der Vortrag wird die Entwicklung von Theodosius zu Justinian, hin zu einem multikonfessionellen christlichen Imperium, nachzeichnen.

 

Prof. Dr. Rumscheid:

Römische Skulpturen im Lateinunterricht

Die Lektionen in Latein-Lehrbüchern werden heute mit Bildern unterschiedlichster Art aufgelockert. Sie sollen die römische Kulturgeschichte parallel zu den Textinhalten durch ein zweites Medium zugänglich machen und so die Informationen besser im Gedächtnis der Schüler verankern. Dazu können auch Bilder von Statuen, Porträtbüsten und Reliefs herangezogen werden. Um das Alltagsleben zu illustrieren, sind etwa Darstellungen aus dem Bereich des Spielwesens oder der religiösen Praktiken geeignet. Einmalige historische Ereignisse werden dagegen vor allem in den sog. Staatsreliefs thematisiert. Die überragende Stellung von Mitgliedern des Kaiserhauses führte zu einer großen Anzahl kaiserlicher Porträts, aber auch zu Privatporträts, die ihnen angeglichen sind. Andere Skulpturen weisen auf den Stellenwert von Bildung, insbesondere in den Bereichen Philosophie, Lyrik, Mythologie und Historiographie hin. Mit kunsthistorischen Methoden, nämlich durch das Aufspüren von Archaismen, Klassizismen und Eklektizismen, auch die Betrachtung des Kopistenwesens allgemein, ist schließlich deutlich zu machen, dass die bildende Kunst der Römer ebenso wie ihre Literatur vielfach auf dem aufbaute, was die Griechen zuvor geschaffen hatten.

 

Dr. Bettina Tremmel (LWL, Wiss. Referentin f. Römische Provinzialarchäologie):

Aktuelle Grabungsergebnisse und Forschungen über die Römer an der Lippe und in Westfalen

Vor 2000 Jahren geriet Westfalen in den Fokus der römischen Eroberungspolitik. Zum wiederholten Mal waren germanische Stämme in Gallien eingefallen. Im Jahr 11 v. Chr. drangen die Römer daher von Xanten aus ins Innere Germaniens vor. Sie erreichten bei diesem Feldzug sogar die Weser. Entlang der Lippe ließ Drusus sein Heer mehr oder weniger stark ausgebaute Truppenstandorte unterschiedlicher Größe und Funktion anlegen: Legionslager, Marschlager, Marinebasen, Nachschubstationen. Sie wurden im Abstand eines Tagesmarsches von 18-20 Kilometer erbaut. Kastelle von 5 ha und vergleichbarer Größe sind in Westfalen und Hessen bekannt. Dank solcher kleinerer, als Nachschubstationen genutzter Kastelle war das römische Heer in der Lage, eine kontinuierliche Versorgung seines großen, in Germanien operierenden Militärkontingents zu gewährleisten. Als mit der Befriedung der germanischen Stämme die Feldzüge abgeschlossen waren, wurden die Militäranlagen 8/7 v. Chr. aufgegeben. Der Vortrag zeigt, worauf sich die Kenntnisse zu diesem neuen Baustein römischer Geschichte in Westfalen gründen.