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RP Online und "Latein oder Französisch?" Ein Leserbrief.

RP-Online-Latein-Franzoesisch

Kürzlich hat das Magazin "RP Online" einen Diskussionsbeitrag zur Fremdsprachenwahl mit dem Titel "Latein oder Französisch?" veröffentlicht, den Sie hier nachlesen können:

http://www.rp-online.de/panorama/wissen/bildung/latein-oder-franzoesisch-die-schwierige-wahl-der-zweiten-fremdsprache-aid-1.5861380

Dr. Benedikt Simons, Vorstandsmitglied des DAV Nordrhein-Westfalen hat zur Diskussion einen Leserbrief beigetragen, den wir an dieser Stelle veröffentlichen:

"Zu: Latein oder Französisch? Osterausgabe der RP 2016

Zwei fachliche Hinweise zu den Ausführungen „Latein oder Französisch“, die möglicherweise Eltern bei ihren Entscheidungen hilfreich sein können. Zu den Bemerkungen des Berliner Sprachwissenschaftlers: Es ist mittlerweile durch eine empirische Studie belegt, dass es einen signifikanten Zusammenhang zwischen profunden Lateinkenntnissen und dem Erwerb moderner (romanischer) Fremdsprachen gibt.

Man ist doch froh, dass endlich eine empirische Studie diese Wahrnehmung des gesunden Menschenverstandes bestätigt hat, im Übrigen eine empirische Studie der Berliner Humboldtuniversität, die aller Voraussicht nach im April veröffentlicht wird („pons Latinus).

Aber -jetzt der zweite Hinweis- weder unterrichten die Lehrer oder Lehrerinnen der Alten Sprachen ihre Fächer als Krückstock zum Erwerb anderer Sprachen noch zum Erwerb eines wie auch immer genannten Schriftstücks. Wichtige Ziele des altsprachlichen Unterrichts sind in dem Artikel hinreichend benannt worden, aber die Auseinandersetzung mit den Alten Sprachen jenseits des „Latinum“ bringt nicht nur die sprachliche „Raffinesse“ Ovids zu Tage und fördert durch die raffinierte Übersetzung die muttersprachliche Kompetenz der Schülerinnen und Schüler. Sondern die Themen und Ziele greifen doch viel tiefer: Angesichts der aktuellen Situation scheint es sinnvoll und tiefsinnig, sich mit dem Menschenbild der Antike z . B. im so genannten Sklavenbrief Senecas auseinanderzusetzen, der Sklaven eben auch als Menschen ansieht. Wie gehe ich mit Fremden um? Wann ist eigentlich ein Krieg gerechtfertigt? Fragen, die Cicero ebenso wie Livius beschäftigt haben und deren Beantwortung sich u. a. auch in der UNO–Charta wiederfinden lassen.Alles abiturrelevante lateinische Autoren in NRW.

Römer und Griechen sind die ersten, die solche Probleme in für Europa typisch rational analytischer Weise aufgeworfen und systematisch beantwortet haben. Es ist die grundsätzliche Frage, ob man die Auseinandersetzung damit für die Persönlichkeitsbildung eines Jugendlichen für wichtig hält oder nicht. Einen derartigen Zugang zu grundlegenden Fragen der Persönlichkeitsbildung erhält man im Übrigen über die Alten Sprachen nur (noch) jetzt in der Schule, später ist es nicht mehr möglich, es sei denn man studiert sie.

Diejenigen, die sich intensiver mit der Frage Lateinisch oder Französisch auseinandersetzen wollen, seien auf F. Maiers Schrift, „Warum Latein – Zehn gute Gründe“ bei Reclam hingewiesen.

Dr. Benedikt Simons

Vorstand des Deutschen Altphilologenverbandes NRW

Bilkrather Weg 30

40489 Düsseldorf