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Latein und Latinum

Das Latinum

In folgendem Text, der auf eine Vereinbarung der Kultusministerkonferenz (KMK) zurückgeht, wird das für den Erwerb des Latinums erforderliche Maß an lateinischen Sprachkenntnissen wie folgt beschrieben:

„Das Latinum hat nachgewiesen, wer in der Lage ist, lateinische Originaltexte im sprachlichen Schwierigkeitsgrad inhaltlich anspruchsvollerer Stellen (bezogen auf Bereiche der politischen Rede, der Philosophie und der Historiographie) mit Hilfe eines zweisprachigen Wörterbuchs in Inhalt, Aufbau und Aussage zu erfassen und dieses Verständnis durch eine sachlich richtige und tref­fende Übersetzung ins Deutsche nachzuweisen. Hierzu werden Sicherheit in der für die Texter­schließung notwendigen Formenlehre und Syntax, ein ausreichender Wortschatz und die erfor­derlichen Kenntnisse aus dem Bereich der römischen Geschichte, Philosophie und Literatur vorausgesetzt.“

Dieses KMK-Latinum ist in den 70er Jahren an die Stelle des Großen Latinums getreten. In Nordrhein-Westfalen gibt es neben diesem KMK-Latinum auch ein Kleines Latinum (s.u.). In ande­ren Bundesländern gibt es teilweise außerdem noch ein Großes Latinum.

Zeitpunkt der Zuerkennung des  Latinums

In der Regel wird das Latinum über die Teilnahme am Lateinunterricht der Schule erreicht. Die Zuerkennung des Latinums ist in Nordrhein-Westfalen abhängig von der Art des Lehrgangs, an der man teilgenommen hat:

Bei Lateinbeginn in Kl. 5 und Kl. 6 (L5, L6) kann das Latinum frühestens am Ende der Einfüh­rungsphase (Eph, bisher Jg. 10) nach sechs bzw. fünf Jahren erreicht werden.

Bei Lateinbeginn in Kl. 8 (Differenzierte Mittelstufe, L8) kann es am Ende der Q 1 (bisher Jahr­gangsstufe 11) oder der Q 2 (bisher Jg. 12) (nach vier - fünf Jahren) erreicht werden. Der Zeitraum ist abhängig von der Anzahl der pro Schuljahr erteilten Wochenstunden (3 + 3 + 4 + 4 oder 3+ 3 +3 + 3+ 3).

Bei Lateinbeginn in der Eph wird ein Latinum nur zuerkannt, wenn zum Zeitpunkt des Abiturs auch eine Erweiterungsprüfung abgelegt wird.

Der im Schuljahr 2010/11 auslaufende Lehrgang ab Kl. 7 (G 9) erreicht das Latinum nach fünf Jahren am Ende der Jg. 11.

Wenn auf dem Versetzungszeugnis eine mindestens ausreichende Abschlussnote erreicht wird, wird das Latinum zuerkannt und kann auch bei Wiederholung dieses Schuljahrs nicht mehr verloren gehen.

Kleines Latinum

Das Kleine Latinum ist eine Qualifikation, deren Anerkennung auf die Hochschulen in Nordrhein-Westfalen beschränkt ist. Es wird Schülern bescheinigt, wenn sie

  1. ein Jahr vor Erreichen des Latinums den Lateinunterricht beenden (also Ende Kl. 9 bzw. Eph), sofern ihre Leistungen mindestens ausreichend waren, oder
  2. wenn sie zum Zeitpunkt des Latinums nur mangelhafte Leistungen nachweisen konnten, aber auf dem letzten oder vorletzten Zeugnis vor diesem Zeitpunkt noch ausreichend standen.

Bei einer Dauer-Fünf oder gar einer Sechs auf dem Zeugnis wird also auch das Kleine Latinum nicht bescheinigt.

Latinum bei Auslandsaufenthalten

Wenn im gesamten Schuljahr des Abschlusskurses oder in dessen 2. Halbjahr ein Auslandsaufent­halt durchgeführt wird, kann das Latinum nicht über die Zeugnisnote zuerkannt werden. In diesem Fall gibt es folgende Möglichkeiten, um noch an ein Latinum zu kommen:

  • gleichzeitiger Besuch des Latein­unterrichts in der Eph  neben dem Unterricht in der Q 1 bis zum Ende des L5 / L6 - Lehrgangs.
  • Teilnahme an der zentralen Feststellungsprüfung bei der Bezirksregierung. Die Anmeldung muss bis zum 1.März des neuen Schuljahrs erfolgen. Am Ende des Schuljahres gibt es eine drei Stunden dauernde schriftliche Prüfung über einen von zwei vorzubereitenden Autoren, deren Aufgaben (derzeit noch Übersetzung und Interpretation) zentral gestellt werden, und eine 15-20 minütige mündliche Prüfung über den anderen Autor. Diese Prüfung fällt in Zukunft (ab 2013) mit der Erweiterungsprüfung im zeitlichen Zusammenhang mit dem Abitur. zusammen. Das bedeutet auch, dass die schriftliche Klausur die reine Übersetzungs­leistung überprüft. Die Feststellungsprüfung kann einmal wiederholt werden.